Ich bin ...

Ich bin weiblich, Anfang 50, aber weder tot noch blind, Single, habe eine 20 jährige Tochter und komme so langsam in die Wechseljahre. Mal schauen, wie ich mich so schlage ...

Dienstag, 16. März 2010

Wo ist ich?

Manchmal frage ich mich wirklich "Wo ist ich?".  Damit meine ich, wo ist mein eigentliches "ich" hinter alll den funktionierenden Rollen, als Mutter, als Tochter, als Mitarbeiterin, als Chefin, als Kollegin, als ....  Weiß ich eigentlich selbst noch, wer ich bin, was ich will, wohin und warum? Nehmen mich andere noch als Individuum wahr oder eben nur noch in meinen Rollen?

Im Grunde weiß ich  ganz genau, irgendwo ist da Emm mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Ängsten, Träumen und ihren ganz eigenen Gefühlen. Mir geht eine Begebenheit einfach nicht aus dem Kopf. Vor einem Jahr, ich hatte wahnsinnigen Liebeskummer, hatte sich meine große Liebe doch gerade aus meinem Leben verabschiedet und ich wußte gerade nicht, wie es ohne ihn weitergehen sollte. Ich saß zu Hause auf dem Sofa, neben mir meine Tochter und gegenüber meine Mutter, der Fernseher lief und mir liefen einfach so die Tränen in Strömen übers Gesicht. Keiner der beiden wußte, was los ist, hatten wir doch unsere Beziehung geheim gehalten. Ich dachte "Scheiße, was sagst du, sie fragen doch und wollen wissen, was mit dir los ist?". Aber nein, es kam nichts, sie bemerkten es nicht mal, die beiden Menschen, von denen ich mich immer uneingeschränkt geliebt gefühlt habe, für die ich eigentlich immer da bin, die ich immer versuche zu stützen, aufzubauen. Sie haben neben mir gesessen und nicht mal gemerkt, dass es mir wirklich dreckig ging. So einsam, wie an diesem Nachhmittag habe ich mich noch nie in meinem ganzen Leben gefühlt, es war schrecklich. Seit diesem Tag weiß ich, jeder ist eine Insel, sein eigens Universum und am Ende bist du allein.

Das komische an der Sache ist, Zeit für mich habe ich aber so gut wie nie, weil ständig jemand was von mir will, denn alles andere scheint wichtiger. Ich habe seit Jahren keinen Sport mehr gemacht, meine Tochter macht aber Leistungssport, den ich nicht nur finanziere sondern sie auch immer wieder motiviere, stütze und tröste, zum Training bringe, abhole, zu Wettbewerben fahre. Ich war in den letzten Jahren unzählige Male bei Ärzten, der verschiedensten Fachrichtungen, ein Ausbund an Gesundheit bin ich zwar nicht, aber weiter als zu meinem Hausarzt und zum Orthopäden war es nie in eigener Sache, immer war es wegen meiner Tochter oder meiner Mutter, für eigene Termine habe ich keine Zeit.

Mein großer Traum ist es derzeit, mal ein paar Wochen ganz alleine in den Urlaub zu fahren und einfach Zeit zu haben für mich, ohne PC, ohne Handy, ohne Telefon... nur ein Traum, ein schöner Traum.

Bussi
Emm

Kommentare:

  1. Wieso weißt du eigentlich, was ich (52) fühle, es ist als würde ich in einen Spiegel gucken. Schreib bloß weiter!!!!!!!!!!!!
    Petra

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  2. Liebe Emm!
    Du schreibst, daß Du den Wunsch hast, mal allein zu verreisen, aus eigener Erfahrung sag ich Dir:"Tu s, und zwar ganz BALD!"
    Dieses "als wäre ich mir selbst verloren gegangen" unmd "dauernd will wer was von mir" , diese Situation hatte ich mit 43, eine ganz überraschende Erkrankung,(ich hab den Gevatter nur um 2 Stunden verfehlt), hat mir die Augen geöffnet, seitdem lebe ich im JETZT!!!
    Schreib unbedingt weiter!!!
    GLG Conny

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  3. Hallo Emm,
    dass das Schreiben ein gutes Ventil für die Eigenansicht von außen ist, verstehe ich.
    Warum jedoch solche Aufzeichnungen in der breiten Öffentlichkeit stattfinden und dementsprechend auch persönlich reduziert sein müssen, verstehe ich weniger.

    Was gibt es dir, dein Privatleben öffentlich darzustellen?

    Was glaubst du, wer daran so detalliert Interesse hat wie du selbst?

    Gruß anna

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Hallo,
ich freue mich über jeden Kommentar, über Anregungen, Fragen, Kritik aber auch Lob ;-)
Bussi
Emm